Matthias Peter spielt Dostojewski
 
  Der Traum eines lächerlichen Menschen Fr 1. November, 20 Uhr  
Foto: Kellerbühne St.Gallen

 

Theater

«Ich bin ein lächerlicher Mensch.» Mit diesen Worten stellt sich der Erzähler dieses Theaterabends vor. Er berichtet, wie er am Zustand der Welt verzweifelnd sich das Leben nehmen wollte. Was er auch tat. Allerdings nur im Traum, der sich einstellte, nachdem er vom Schlaf übermannt worden war.

Dieser Traum beschert ihm eine Reise durchs All und die Vision einer Welt, in der es keine Sünde gibt. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da er als zeitgenössischer Fortschrittler und Stadtmensch die unschuldige Menschheit verdirbt.

Sein Traum durchfliegt Jahrtausende und bebildert den Sündenfall der Menschheit, den er ausgelöst hat. Erwachend erkennt er die uralte Wahrheit: «Liebe die anderen wie dich selbst.»

Und vehement sagt er jener Überzeugung den Kampf an, welche die Menschheit in die Irre geführt hat, nämlich, dass die Erkenntnis des Lebens über dem Leben stehe, die Kenntnis der Gesetze des Glückes höher stehe als das Glück selbst.

Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) hat in diese schlichte und ergreifende späte phantastische Erzählung aus dem Jahr 1877 seine ausgereifteste Philosophie einfliessen lassen. Es gelingt ihm, darin seine ganze Weltanschauung der Güte und des Mitleides zu verdichten, die seine grossen Romane prägt, und vermag sie so, ganz unmittelbar vor Aug und Ohr zu führen.

Die Rolle des lächerlichen Menschen spielt Matthias Peter.

Regie Daniel Pfister.

«Jetzt nennen sie mich einen Verrückten!»
Dostojewski in der St. Galler Kellerbühne: Matthias Peter nutzt einen überraschenden Text des grossen russischen Schriftstellers für eine Eigenproduktion. Ein Lebensmüder gerät im Albtraum auf Irrfahrt durch den Weltraum – und entdeckt das Paradies.
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Wilde Odyssee nach dem Tod
Dostojewski schrieb diese faszinierende Erzählung, in der es auch um den Widerstreit von Kopf und Herz geht, im Jahr 1877. Sie wirkt immer noch erstaunlich frisch – und wird von Schauspieler Matthias Peter souverän und präzis vorgetragen. (…) Es scheint, als sei dieser Text Matthias Peter in Fleisch und Blut übergegangen. Elegant und prägnant trägt er ihn vor, sodass man mit ihm mitfiebert.
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Ab auf die andere, bessere Erde
In der Kellerbühne hockt Schauspieler und Theaterleiter Matthias Peter auf einem simplen Stuhl, Lehne nach vorn – und hebt ab ins Weltall. So will es die Textvorlage, die fantastische Erzählung «Der Traum eines lächerlichen Menschen» des russischen Dichters Fjodor Dostojewski. (…) Eine karge Bühne, wenige Requisiten und ein klares Lichtkonzept sorgen für eine lakonische Inszenierung, in deren Zentrum das Wort steht: Dostojewskis grandioser und vom Schauspieler souverän gemeisterter Text.
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